Das Urprodukt der heutigen Matter- Luginbühl AG ist der Martinazzi Bitter. Dieser Italienisch-Bitter wurde erstmals 1864 in Turin hergestellt. 1928 erwarb der Firmengründer Ernst Luginbühl-Bögli von Aarberg das Rezept für die Martinazzi Herstellung in der Schweiz. Damit wurde der erste Schweizer Bitter Aperitif hergestellt.

An der Weltausstellung 1934 in Chicago kam sein Martinazzi Bitter international zu grossen Ehren. Aus rechtlichen Gründen musste das Getränk unter dem Namen „Will Tell“ verkauft werden. (Mit nach Chicago schickte der Firmengründer auch seine 18-jährige Tochter Johanna, mit dem Hintergedanken, dass deren Liaison mit einem Lehrer ein Ende finden würde. Sein Plan ging auf und sie heiratete später einen Arzt.)

1934 wurde zum ersten Mail der Ausstellungszug durch die Schweiz unter dem Motto „die gute Schweizer Ware“ realisiert. Die Firma Luginbühl Bögli war dort mit dem Martinazzi Bitter und dem Fernet Lugga vertreten. Vom 2. Mai bis 27. Juli 1936 fuhr zum zweiten Mal genannte Ausstellungszug durch die Schweiz. Auf dieser Tournee präsentierte sich unter anderen die Firma Wander mit einer Ovomaltine Bar. Die Firma Luginbühl-Bögli ihrerseits empfing die Gäste in der Martinazzi Bar. Diese Wanderausstellung stand unter dem Motto „Schweizer Ware kaufen heisst Arbeitsplätze schaffen“. Ein Slogan der auch heute noch Bestand hat! In Kreuzlingen besuchte der bekannte Kräuterpfarrer Joh. Künzli die Martinazzi Bar und schrieb anschliessend in das Tagebuch: „Martinazzi ist sehr gesund“. Und bei jedem Halt des Zuges schrieb der Stationsvorstand eine kurze Widmung in das Bar-Tagebuch. Dieses Zeitdokument ist heute noch vorhanden und kann in der Brennerei in Kallnach angeschaut werden.

1947 erwarb Ernst Luginbühl- Bögli das Bauerngut Löhr in der Nähe von Seedorf im Kanton Bern. Dort kultivierte er für die Brennerei eine alte Pflaumensorte, eine damals schon fast vergessene Frucht im Berner Seeland und gab der Frucht den Namen Löhrpflümli. Diese Pflaume findet man heute in Österreich und Deutschland wo sie als speziell feine und süsse Brennpflaume geschätzt wird. Das Löhrpflümli geniesst heute in Europa unter den Schnapsbrenner den Ruf eines der Besten zu sein. Den Bauernhof in der Löhr baute er zu einem Mustergut aus, das Dank seinem erstklassigen Viehbestand schweizweit bekannt wurde. In der „Löhrstube“ bewirtete er seine Besucher und Freunde – darunter auch Alt-Bundesrat Rudolf Minger. Viele Geschäfte wurden dabei auch bei einem Glas Martinazzi getätigt.

Am 1. September 1951 wurde erstmals die Bernische Ausstellung, kurz BEA, eröffnet. Ernst Luginbühl Bögli war einer der 160 ersten Aussteller.

Ende der 50iger Jahre wurde die E. Luginbühl-Bögli Aarberg (ELBA) in die 2. Generation an die beiden Söhne Paul und Hans übergeben. Daraus enstand die E. Luginbühl-Bögli & Söhne, Aarberg. Der Firmengründer Ernst Luginbühl hat jedoch bis zu seinem Tode 1969 tatkräftig mitgeholfen und die Söhne unterstützt.

In der 3. Generation wurde die Firma – bestehend aus Bauerngut, Restaurant, Brennerei und Ladengeschäft mit Weinhandel – aufgeteilt. Das Bauerngut wurde verkauft, das Restaurant Bahnhöfli ging an Ernst Luginbühl (Bruder von Elsbeth Matter-Luginbühl) und seinen Partner Peter Jaberg. Obwohl eigentlich niemand mehr die Schnapsbrennerei weiterführen wollte, erklärten sich schliesslich 1985 Elsbeth (Enkelin) und Christian Matter-Luginbühl sich bereit, die Distillerie mit den langjährigen Angestellten zu übernehmen. Anfangs führten sie zusammen mit Cousin Jürg Luginbühl die Distillerie und die Weinhandlung unter dem Firmennamen Luginbühl & Co. 1989 trennten sie die beiden Geschäfte. Jürg Luginbühl führte die Weinhandlung Luginbühl Weine AG und Elsbeth und Christian die Distillerie Matter-Luginbühl AG. 1990 trat Sohn Oliver in die Firma ein und 1996 wurde die Brennerei von Aarberg nach Kallnach verlegt.

Im Jahr 2005 wurde die Firma an Sohn Oliver Matter übergeben. Er führt nun die Erlebnisbrennerei Matter-Luginbühl AG mit seiner Frau Nicole bereits in 4. Generation. In der Erlebnisbrennerei werden weiterhin die traditionellen Spezialitäten, sortenreine Edelbrände, die Aperitifs Martinazzi (heute sind wir weltweit die Einzigen, die den „Italiener aus dem Seeland“ produzieren) und Absinthes hergestellt.. Gruppen können einen Absinthe-Brennkurs besuchen oder die Brennerei besichtigen. (Nach dem fast 100jährigen Absinthverbot in der Schweiz hat der Bundesrat den Wermutschnaps den anderen Spirituosen gleichgestellt und per 1. März 2005 die Legalisierung von Absinth in Kraft gesetzt.)

Oliver Matter hat sich von diesem Zeitpunkt an auf die Reproduktion von alten Absinthrezepturen spezialisiert. Der erste Absinthe aus dem Hause Matter-Luginbühl AG wurde der Kallnacher Absinthe.

Die Rezeptur dafür hatte Urgroßvater Ernst Luginbühl-Bögli durch einen kuriosen Tauschhandel mit einem Bauern aus dem Val de Travers erhalten. Durch sein Hobby, die Viehzucht, kam es, dass er einem Uhrenfabrikanten und Viehzüchter im Jura eine hochprämierte Kuh gegen Golduhren für seine Töchter und Schwiegertöchter eintauschte. Bei so einem „Kuhhandel“ wurde ein originales Absintherezept aus dem Val-de-Travers, das er aber von Gesetzes wegen gar nicht benutzen durfte, in den Kaufpreis eingehandelt. Der Wert dieses Handels kann erst heute richtig beurteilt werden.

Kaum war dieses Produkt auf dem Markt ergaben sich interessante Kontakte zu zwei Händlern aus dem Ausland – Absinthvertrieb Lion aus Deutschland und Liqueurs de France aus England.

In Zusammenarbeit mit Markus Lion entwickelte Oliver Matter die Absinthe Duplais-Serie, bestehend aus Verte, Blanche und Balance. Die Qualität dieser Produkte hat 2006 mehrere professionelle Jurys überzeugt, so dass das Team Matter/Lion für Absinthe Duplais Verte die Goldmedaille mit Best in Class Wertung der International Wine and Spirits Competition erhielt, sowie vom Schweizer Schnapsforum zum Absinthe des Jahres gewählt wurden. In Deutschland steht Absinthe Duplais Verte in dem Markenkatalog auf Platz 1.

Anfang Mai 2007 war der erste Absinthe Brevans aus der neuen Absinthe-Serie erhältlich. Auch bei der neuen Serie werden die Etiketten von internationalen Künstlern gestaltet. Für die erste Brevans-Etikette konnten wir den berühmten schweizer Künstler H.R. Giger gewinnen, der uns eines seiner bekanntesten Werke zur Verfügung stellt. Brain Salad Surgery II entstand 1973 und wurde ursprünglich für das gleichnamige Emerson Lake & Palmer Album verwendet. Es strahlt eine einzigartige, faszinierende Ruhe aus, die uns vom ersten Anblick an in Bann gezogen haben. Der zweite Absinthe Brevans wurde 2009 mit einer Etikette des Künstlers Austin Osman Spare realisert.

Bei einem Treffen mit dem Musiker Marilyn Manson im Jahr 2005, schlug Absinthvertrieb vor, einen eigenen Absinthe für Manson zu entwickeln. Zahlreiche Muster wurden von Oliver Matter nach Kalifornien geschickt um von Manson kommentiert zu werden. Die endgültige Rezeptur von Mansinthe stand im April 2007 fest.

Im Juni 2007 wurde Mansinthe zunächst als Prototype 35 und als limitierte Sonderauflage, einem kleinen Kreis zugänglich gemacht. Am Freitag, den 13. Juli 2007, wurde der Vertrag mit Marilyn Manson unterschrieben und die Produktion konnte beginnen.

Zielsetzung war von Anfang an, ein klassischer, aus Kräutern destillierter Absinthe, ohne künstliche Farbstoffe und ohne Zucker. Ein Produkt, das Absintheliebhaber zu schätzen wissen, welches aber in erster Linie Neueinsteiger anspricht. Das Erfolgsgespann Absinthvertrieb Lion & Matter-Luginbühl AG haben mit diesem Absinthe eindrücklich bewiesen, daß man auch für kleines Geld einen hervorragenden Absinthe produzieren und weltweit vertreiben kann. Die Goldmedaille am World Spirits Competition 2008 in San Francisco (USA), hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Im Mai 2010 wurde an einer Messe der neueste Absinthe „Nouvelle Vague“ einem breiteren Publikum vorgestellt. Die Etikette dafür hat uns der Künstler Gottfried Helnwein zur Verfügung gestellt. Am IWSC 2010 in London wurde dieser Absinthe mit der Silbermedaille und Best in Class ausgezeichnet.

Seit Ende 2008 sind drei unserer Absinthes auf dem amerikanischen Markt erhältlich. Für diese Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Importeur mussten wir versicherungstechnisch eine neue Firma (Oliver Matter AG) gründen.

März 2009 Realisation der Obstbaumplantage auf 1.5 Ha. 330 Hochstammbäume (35 Damaszener, 70 Löhr, 70 Mirabellen, 70 Bühler Zwetschgen, 70 Hauszwetschgen, 10 Gravensteiner, 5 Berner Rosen)

August 2010. Das neueste Produkt aus dem Hause Matter ist eine Reproduktion des Urrezeptes des Martinazzi welches wir im Auftrag unseres amerikanischen Importeurs Tempus Fugit Spirits (TFS) unter dem Namen „Gran Classico Bitter“ herstellen. Gran Classico Bitter ist ein reines Naturprodukt ohne Zugabe von Farb- und Aromastoffen. Komplex, erfrischend bittersüss, kann Gran Classico Bitter vielseitig serviert werden. Traditionell italienisch mit eiskaltem Soda, nach französischer Art mit hellem Bier, oder als Bestandteil von historischen wie auch modernen Cocktails.

Damit ist das Urprodukt unserer Firma seit 1934 erstmals wieder auf dem amerikanischen Markt erhältlich. Oliver Matter führt somit fort, was sein Urgrossvater begonnen hat und dabei seine Leidenschaft für ursprüngliche, aromatische und natürlich hergestellte Bitter neu entdeckt.

Februar 2012 wird der Kina l’Avion d’Or der wiederum in Zusammenarbeit mit TFS entstand lanciert. Damit wird eine weiter alte Bitterrezeptur neu hergestellt. Weitere Produkte sind in Planung.

April 2012: Der im Auftrag der Brauerei AareBier hergestellte OLD RIVER Whisky wird in 3 verschiedenen Sorten (Schweizer- und Amarone-Eichenfässer) und als Liqueur Öffentlichkeit präsentiert.

März 2013: Neu werden die 3 Tempus Fugit Produkte Crème de Cacao, Crème de Menthe und Liqueur de Violettes in Kallnach produziert. Bis anhin wurden die Produkte in den Vereinigten Staaten hergestellt. Die Produktion dort wurde eingestellt.

April 2013: Der Anbau in der Matter-Luginbühl wird in Betrieb genommen. Der grösste Teil dient als Lager, der hintere Anbau wird als gedeckten Aussenarbeitsplatz genutzt.

Juni 2013: Fernet del frate Angelico, eine Rezeptur der Witwe Branca, wird erstmals in die Vereinigten Staaten exportiert. Das Produkt wird sehr aufwändig und nach ursprünglicher Rezeptur hergestellt.

Oktober 2013: ABSINTHE FUSION wird vorgestellt. Es ist das Produkt einer internationalen Kooperation mit Wissenschaftlern aus Deutschland (Dr. Thomas Vilgis, Physiker) und Österreich (Prof. Helmuth Jungwirth, Wissenschaftskommunikator), mit dem Ziel eine historische Absinth-Rezeptur aus dem 19. Jahrhundert nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen umzusetzen. Projektleiter und Koordinator dieses Projektes ist der bekannte Schweizer Molekularkoch Rolf Caviezel.

Februar 2014: Crème de Noyaux – eine Entwicklung von Oliver Matter und Tempus Fugit wird lanciert.

2014 Martinazzi Bitter Classic feiert seinen 150igsten Geburtstag. Dies würdigt das Restaurant Bahnhof in Aarberg mit einer Sonderausstellung.

Mai 2014: Inbetriebnahme der neuen Abfüll- und Etikettieranlage.

Juli 2014: Oliver und Nicole Matter besuchen erstmals Amerika und nehmen an den Tales of Cocktails in New Orleans teil. Anchor Distilling Company in San Francisco übernimmt neu den gesamten Vertrieb USA für die Produkte aus dem Hause Matter (Tempus Fugit Produkte und Absinthe).

September 2014: Aus rechtlichen Gründen muss der Kina l’Avion d’Or in Kina l’Aero d’or umbenannt werden. Inhaltlich und optisch ändert sich nichts.

März 2015: Dieter Meier, der Künstler, Musiker und Unternehmer, produziert in Mendoza seit über zehn Jahren biologische Top-Weine. Zusammen mit Oliver Matter Adrian Baumgartner von der Paul Ullrich AG hat er dieses Jahr den OJO DE AGUA GIN entwickelt. Aus den feinsten argentinischen Zutaten und Gewürzen wurde im Berner Seeland ein einzigartiger Dry Gin destilliert. Der Gin wird am 13.5.2015 in Basel präsentiert.

Mai 2016: Der Familienbetrieb ist in den letzten Jahren langsam und gesund gewachsen. Dies führte aber gleichzeitig zu einem Platzmangel, wodurch bereits seit einiger Zeit keine Brennkurse und Besichtigungen mehr angeboten werden konnten.

Aus diesem Grund und weiteren Überlegungen wurde entschieden, den Namen Erlebnisbrennerei durch den Namen Matter Spirits zu ersetzen. Nebst neuem Logo wurde auch die Homepage von Grund auf neu gestaltet.

Juli 2016: Zurück zu den Wurzeln.! Am 1. Juli haben Oliver und Nicole Matter das Restaurant Bahnhof in Aarberg gekauft. Somit ist gewährleistet, dass das „Urhaus“ der Firma auch weiterhin im Familienbesitz bleibt. Geplant ist in der Gaststube neu das Ladengeschäft einzurichten und auch das sogenannte „Martinazzi-Stübli“ zu integrieren.